Der Schrei am Kreuz

Copyright: Lossen Foto GmbH; Udo Körner. Schrei und Wolke St. Raphaelskirche Heidelberg

 

Eine Wolke ist gut zu erkennen, wie sie als rostiger Draht über dem Kreuz schwebt. Der Schrei des Schmerzes und der Gottverlassenheit ist freilich nicht zu hören, aber zu spüren in dem stummen Riss, der durch das Kreuz und durch den Gekreuzigten geht.

 

Diese Kreuzcollage verhüllt und enthüllt zugleich das Geschehen am Kreuz. Etwas verfremdet wird auf den ersten Blick, was damals am Kreuz von Golgota geschah. Wir sehen kein Abbild, sondern ein Sinnbild!

Der gekreuzigte Jesus wird nicht dargestellt, sondern nur angedeutet mit den Stückchen aus Baumrinde, die den gemarterten Körper bilden.

Nicht das, was vordergründig damals für die Neugierigen und Gaffer zu sehen war, zeigt sich unserem Blick, sondern was sich „dahinter“ ereignet hat:

 

Das Unsagbare und Unsichtbare.

Das Geheimnis des Kreuzes,

welches zugleich ein Ärgernis ist.

 

Jeder*r die/ der dieses Altarbild betrachtet, soll tiefer und bis dorthin geführt werden, wo es gleichsam zu sprechen beginnt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh 12, 32). Oder: „Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und ich werde ihn wieder verherrlichen“ (Joh 12, 28).

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GOTTESERMÖGLICHER

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Nur eine liebende Seele bringt Gott in dieser Welt hervor. Dabei erschafft die Seele keineswegs Gott. Vielmehr erlaubt eine liebende Seele inmitten der Welt und des menschlichen Lebens Gottes wirksame Gegenwart.

Wer glaubt, erlaubt. Wer wirklich glaubt, erlaubt Gott, sich durch die menschliche Liebe der Welt zu zeigen.

Glauben ist daher kein Hauptwort, sondern vielmehr ein Tunwort (Verb).

Wer glaubt, pocht daher nicht auf Dogmen, beharrt nicht auf die eigene Wahrheit, sondern erlaubt der Wahrheit, dass sie sich ereignet.

Glauben heißt, ein „Gottesermöglicher“ / eine „Gottesermöglicherin“ zu sein und immer mehr zu werden.

 

Nach Martin Schleske, Geigenbauer in: Herztöne. Das kleine Buch.

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Heute ist ein Tag des Weglassens.
Kann ich es?
Ich probiere es einfach mal aus, etwas wegzulassen,
das ich für gewöhnlich tue.
Ich lasse eine Gewohnheit aus,
wie das Radiohören am Morgen
oder die tägliche Dusche
oder den Schuss Milch in den Kaffee.

Ich mache mir heute bewusst
etwas anders als sonst.
Der Tag des Weglassens
möchte mich sensibel machen für das, was geht.
Deshalb: Ich übertreibe es nicht!
Ich probiere es aus,
wie schwer oder leicht es mir auch fällt.
Was wird bewusster?
Was ist unersetzlich?
Was hat sich als Gewohnheit bei mir eingeschlichen,
könnte aber auch gut wegbleiben?
Nur an diesem Tag verzichte ich,
nur für diesen heutigen Tag
ist ein konkreter Schritt
einfacher zu leben.

nach einer Vorlage in: Sandherr-Klemp, Dorothee, Unterbrechung. Spiritueller Begleiter für Fastenzeit und Ostern, Kevelaer 2004, S.10

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Fastenzeit – Quarantäne – Lockdown anders

Bild von congerdesign auf Pixabay

 

Im Lockdownverhalten sind wir inzwischen ganz schön geübt: die üblichen Verhaltensweisen werden minimiert und regelrecht „heruntergefahren“.

Alle monotheistischen Religionen empfehlen jährlich eine große Auszeit und verpflichten sie sogar: Schabat (Judentum), Fastenzeit (Christentum), Ramadan (Islam).

Das bis vor einem Jahr fast unbekannte Wort „Quarantäne“ kommt aus dem Lateinischen quadragesima und meint die 40 Tage der österlichen Bußzeit, der Fastenzeit, also die 40 Tage zwischen dem Aschermittwoch und Ostern.

In Zeiten, wo uns unsere Freiheit, unsere Selbstbestimmung und Beweglichkeit durch die Coronapandemie zum Teil genommen bzw. eingeschränkt werden, lädt uns die Fastenzeit ein, sich auf das Ziel und den Grund der christlichen Hoffnung zu besinnen.

Es geht nicht um moralische Anstrengung oder frommes Leistungsdenken bzw. ein fast schamloser Optimierungswille, denn wir können uns nicht selbst am eigenen Schopf auf dem Sumpf ziehen.

Drei menschliche Haltungen belasten und zerstören nach christlicher Überzeugung uns Menschen: der Tanz ums goldene ICH im Spiel und die Angst, im letzten doch ein Nichts zu sein.

Nichts belastet unser menschliches Zusammenleben so sehr wie das Bedürfnis nach Anerkennung.

Es gibt weiters auch das Gift der Selbstgefälligkeit und drittens hat menschliches Potenzgehabe vor allem im Verhältnis der Geschlechter vieles zerstört.

Die Fastenzeit als österliche Bußzeit als Chance nützen, mit Mut dieses Dreigestirn der Selbst- und Fremdschädigung ehrlich anzuschauen.

Die Fastentaten dazu lauten:

Gehorsam Gott gegenüber und Demut als Gegenmittel zur eigenen Selbstverherrlichung.

Armut und Solidarität als Gegenmittel zur Habgier.

Reinheit und schöpferische Liebe als Gegenmittel zum eigenen Potenzgehabe.

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Das Rechte, das Wirkliche und die Tat

Nicht das Beliebige,

sondern das Rechte tun und wagen,

 

nicht im Möglichen schweben,

das Wirkliche tapfer ergreifen,

 

nicht in der Flucht der Gedanken,

allein in der Tat ist die Freiheit.

 

Quelle: Dietrich, Bonhoeffer,
Widerstand und Ergebung,
DBW Band 8, Seite 571

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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DU BIST SO JUNG WIE DEINE ZUVERSICHT

Du bist so jung wie Deine Zuversicht-

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt,
sie ist ein Geisteszustand.

Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über die Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.

Niemand wird alt, weil er eine Anzahl Jahre
hinter sich gebracht hat. Man wird nur alt,
wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung
aber runzelt die Seele.

Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen,
Angst und Hoffnungslosigkeit,
das sind die langen, langen Jahre,
die das Haupt zur Erde ziehen
und den aufrechten Geist in den Staub beugen.

Ob siebzig oder siebzehn,
im Herzen eines jeden Menschen wohnt
die Sehnsucht nach dem Wunderbaren,
das erhebende Staunen beim Anblick
der ewigen Sterne und der ewigen Gedanken
und Dinge, das furchtbare Wagnis,
die unersättliche kindliche Spannung,
was der nächste Tag wohl bringen möge,
die ausgelassene Freude und Lebenslust.

Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel,
so jung wie Deine Hoffnung,
so alt wie Deine Verzagtheit.
Solange die Botschaft der Schönheit,
Freude und Größe der Welt,
des Menschen und des Unendlichen,
Dein Herz erreichen, solange bist Du jung.

Erst wenn die Flügel nach unten hängen
und Dein Herz vom Schnee des Pessimismus
und vom Eis des Zynismus bedeckt ist,
dann erst bist Du wahrhaft alt geworden.

Albert Schweitzer

1875 - 1965

                             

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Die drei Siebe Sokrates

                                         Bild von Fathromi Ramdlon auf Pixabay

 

Ein Mann rannte auf Sokrates zu.

„Sokrates, Sokrates! Weißt Du, was ich gerade über einen Deiner Schüler gehört habe?“

„Warte einen Moment“, sagte der Philosoph. „Bevor Du mir davon erzählst, möchte ich, dass Du einen kleinen Test machst, den ich ‚die drei Siebe’ nenne.“

 

„Die drei Siebe?“

„Ja. Bevor Du aussprichst, was Du sagen willst, prüfe es. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast Du absolut sichergestellt, dass es wahr ist, was Du mir erzählen willst?“

„Äh, naja, nein … ich hab eigentlich nur davon gehört.“

„Gut. Du weißt also nicht, ob es wahr ist oder nicht. Lass uns zum zweiten Test kommen. Das Sieb der Güte. Ist, was Du mir über meinen Schüler erzählen willst, etwas Gutes?“

 

„Nein, im Gegenteil.“

 

„Aha, Du willst mir also etwas Schlechtes über meinen Schüler erzählen, obwohl Du nicht weißt, ob es wahr ist.“

Der Mann zuckte die Schultern. Er wirkte inzwischen etwas betreten.

Sokrates fuhr fort: „Vielleicht besteht das, was Du mir sagen willst, ja den dritten Test. Das Sieb der Nützlichkeit. Ist, was Du mir mitteilen möchtest, hilfreich für mich?“

 

„Also … nein, nicht wirklich.“

 

„Wenn es weder wahr ist, noch gut oder zumindest nützlich, warum solltest Du es mir dann überhaupt erzählen?“

Der Mann verstummte, er schämte sich und ging fort. Er hatte verstanden.

Wenn wir das nächste Mal etwas Unschönes über einen anderen sagen wollen, können wir uns zuerst fragen:

 

Ist es wahr?

Ist es gut?

Ist es nützlich?

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Für ein gutes Miteinander…

Unruhestifter zurechtweisen,

Kleinmütige trösten,

Sich der Schwachen annehmen,

Gegner widerlegen,

Sich vor Nachstellern hüten,

Ungebildete lehren,

Träge wachrütteln,

Händelsucher zurückhalten,

Eingebildeten den rechten Platz anweisen,

Streitende besänftigen,

Unterdrückte befreien,

Gute ermutigen,

Böse ertragen,

Und – ach – alle lieben.

 

 

Aus einer Predigt des Hl. Augustinus (354 - 430), Kirchenlehrer,
Bischof von Hippo in Nordafrika, über seine Aufgaben
(Sermo 340, De ordinatione episcopi), in:

Hans Winkler, Egon Kapellari. Was kommt? Was bleibt?
Gespräche an einer Lebenswende,

Styria 2013, S. 7

 

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Erntedank

Mit dem Erntedankfest – wo wir nicht nur für eine gute Ernte danken können, sondern auch für das Gelungene, Geleistete und Beschenkte in unserem Leben – bringen wir unseren vielfältigen Dank vor Gott.

Die Dankbarkeit macht uns reicher, schöpferischer, lebendiger. Für wie viel können wir im Alltag danken und uns darüber freuen! Schauen wir täglich auf den reich gedeckten Tisch der persönlichen Dankbarkeit.

Die Dankbarkeit kann eingeübt werden. Dazu finden Sie hier  eine konkrete Anregung.

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Du Gott der Anfänge

Du Gott der Anfänge,
segne uns,
wenn wir deinen Ruf hören,
wenn deine Stimme lockt
zu Aufbruch und Neubeginn.

Du Gott der Anfänge,
behüte uns,
wenn wir loslassen und Abschied nehmen,
wenn wir dankbar zurückschauen
auf das, was hinter uns liegt.

Du Gott der Anfänge,
lass dein Gesicht leuchten über uns,
wenn wir in Vertrauen und Zuversicht
einen neuen Schritt wagen
auf dem Weg unseres Glaubens.

Du Gott der Anfänge, schenke uns Frieden, wenn der eigene Weg uns aufwärts führt, wenn wir Lebewohl sagen. Lass die Blumen für jeden von uns blühen, lass Wind uns den Rücken stärken und die Sonne warm auf das Gesicht schauen, wo immer wir gehen.

Du Gott der Anfänge, segne uns.

Irischer Segensspruch

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